Krakau- die kleine südpolnische Stadt liegt ca 300 km von Warschau entfernt. Und trotzdem ist sie mit jährlich um die 12,5 Millionen Besucher:innen ein größerer Touristenmagnet als die Hauptstadt. Warum Krakau so viele Menschen anzieht, soll dieser Blog veranschaulichen.
Die Maturaklassen des BORG15 nahmen zwischen dem 3.10 und dem 7.10 an einem geführten Programm durch Krakau und Auschwitz teil. Ihr erster Tag führte sie in die Innenstadt Krakaus und, ein wenig außerhalb des Zentrums, auf den Wawel. Der Wawel ist ein Hügel auf dem ein riesiges Schloss thront- zwischen 1320 und 1764 wurden hier die polnischen Könige gekrönt. Wenige Meter entfernt befindet sich die Wawelkathedrale, ein Ort, an dem die Herrscher bestattet wurden. Der nächste Tourstop: Die Marienbasilika. Sie ist zweifellos die bedeutendste Kirche Krakaus und wurde im späten 14. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Der imposante Hochaltar ist von Veit Stoß errichtet worden. Ebenfalls beeindruckend ist die im rechten Schiff befindliche Christusfigur mit ihrem originalgetreuen Körperbau, auf das der Tour-Guide die Menge aufmerksam machte. Nach einem kurzen Rundgang in den gegenüber liegenden Tuchhalen, begaben wir uns in die ehemals kommunistische Vorzeigestadt Nowa Huta. Die Arka Pana, eine kleine Kirche in der Mitte der Stadt, wurde dort im Zeichen des Widerstands gegen Stalins Regime gegründet und ist bis heute ein Mahnmal. Danach war das offizielle Programm zu Ende und die Vorfreude auf den nächsten Tag um so größer.
Der Sonntag begann im Salzbergwerk Wieliczka, einer vor allem ab dem 13. Jahrhundert für den polnischen Handel wichtigen Salzquelle. Die unterirdischen Gänge bestehen aus neun Sohlen und umfassen eine Länge von 300 km- bei der Tour wurde nur ein Teil davon gezeigt. Dabei wurde den Schüler:innen u.a erklärt, wie Steinssalz mit dem Entwässerungsprozess gewonnen werden kann und für welche Zwecke dies gemacht wird. Ab dem 17. Jahrhundert kamen Pferde zum Einsatz, um u.a die Tretmühlen am Laufen zu halten. Im Gegensatz zu Krakau, wo Pferde noch immer Kutschen ziehen müssen, hat man sich hier von solchen Praktiken verabschiedet- auf Druck von Tierrechtler:innen, wie der Guide der Gruppe mitteilte.
Nach einer kurzen Pause ging es zurück nach Krakau, in das Viertel Kazimierz. In dem ehemaligen jüdischen Ghetto bewegten sich die Teilnehmer:innen auf den Spuren der jüdisch-polnischen Bevölkerung. Besonders einprägend war die Geschichte von Jan Karski: Getarnt in einer Armeeuniform dokumentierte er im Vernichtungslager Belzec die Verbrechen des NS-Regimes für die Nachwelt. Weiter ging es in die Remuh-Synagoge, die nach dem Rabi Moses Isserles bennant ist und während des 2. Weltkriegs zwar geplündert, aber nicht zerstört wurde. Wenige Schritte entfernt befindet sich der jüdische Friedhof, an dem die Schulklassen die Grabmäler des Priestergeschlechts Kohanim analysierten, die durch die segenden Priesterhände am Grabstein besonders hervorstechen. Gemeinsam versuchten sie, die Symbolik von Steinen als Grabbeilage im Judentum zu deuten.
Am letzten Tag stand das Konzentrationslager Auschwitz I. und Auschwitz-Birkenau Programm und somit der Ort, wo das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte stattgefunden hat. Über dem Eingang des Stammlager Auschwitz befindet sich der für den Nationalsozialismus bekannt gewordene Spruch „Arbeit macht frei“. Dahinter folgen dann riesige Backsteinhäuser, die zum Teil als Gefängnisse (wie der Block 11), zum Teil als Experimentierräume (der NS-Arzt Josef Mengele führte hier seine Experimente an Zwillingen durch) und zum Teil als Wohnsitz und Arbeitsstätte der SS dienten. Der Lagerkommandant war dort Rudolf Hoeß, dem dort am Galgen auch der Prozess gemacht wurde. Besonders einprägsam sind Abteilungen, wo Koffer und andere Wertgegenstände, sowie abrasierte Zöpfe von Menschen gesammelt wurden und verdeutlichen die Verdinglichung der dort gefangen gehaltenen Häftlinge.
Wenn man mit dem Bus weiterfährt, kommt man in das KZ Birkenau. Von Auschwitz I. führten die Todesmärsche dahin. Dort wurde die Vernichtung von 1,1 Millionen Jüd:innen und Menschen anderer religiöser und kultureller Minderheiten organisiert und durchgeführt. Symbolisch dafür sind die vielen Gaskammern und Krematorium, in denen Menschen zuerst mit Zyklon B vergast und anschließend ihre Körper verbrannt wurden. Bis heute sind allerdings keine Duschköpfe oder andere Utensilien erhalten geblieben, da sie von den Sowjets bei der Befreiung 1945 mitgenommen wurden. Dennoch errinert vor allem das Torhaus mit den zu ihm führenden Schienen an die Verbrechen des Holocausts.
Sowohl die Schüler:innen, als auch die Lehrkräfte hatten eine informative Reise. Ihre Eindrücke gibt’s hat ein Reporter von HenryTimes eingefangen:
Abdullah, 8C: „1. Einer der Dinge, die mir an Krakau am meisten gefallen haben, war das Zentrum – das Herz der Stadt – „Stare Miasto“.
2. Für mich persönlich war das jüdische Abendessen das Highlight des gesamten Trips, da sowohl das Essen als auch das Ambiente fantastisch waren.
3. Der Besuch in Auschwitz war sehr eindrucksvoll und hat uns die Grausamkeiten der Geschichte auf eindringliche Weise vor Augen geführt.“
Christine Frank, Professorin: “ Unsere Exkursion nach Krakau war ein rundum gelungenes und bereicherndes Erlebnis. Besonders beeindruckend war das jüdische Viertels Kazimierz, in dem wir auch wohnten und der Besuch der Remuh-Synagoge, wo die Schülerinnen und Schüler viel über die jüdische Geschichte und Kultur erfuhren. Auch der Ausflug zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau regte zu wichtigen Gesprächen und Reflexionen an. Obwohl einige Schüler leider krank waren und nicht an allen Programmpunkten teilnehmen konnten, war die Stimmung in der Gruppe insgesamt sehr positiv. Die Reise hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern war insgesamt sehr bereichernd, da sich auch Raum für viele gute Gespräche zwischen allen Teilnehmern bot.“






